23. April 2010

Industrieinitiative für die Umsetzung des Desertec Konzeptes: Kunden zeigen starkes Interesse

Die Rolle der Deutschen Bank im Rahmen der DII, der Industrieinitiative für die Umsetzung des Desertec Konzeptes in EUMENA - stößt bei den Unternehmen des privaten und öffentlichen Sektors auf breite Resonanz. Das zeigte auch eine Informationsveranstaltung bei der Deutschen Bank in Hannover, an der mehr als 40 Vertreter von Stadtwerken und Energieversorgern sowie mittelständischer Unternehmer verschiedener Branchen teilnahmen.

Zielsetzung der DII ist es, nach einer sorgfältigen Analyse die Rahmenbedingungen für ein bisher einzigartiges „Wüstenprojekt“ zu entwickeln: Angestrebt wird eine sichere, nachhaltige und klimafreundliche Energieversorgung aus den Wüsten Nordafrikas und des Nahen Ostens (MENA-Region), wie Thomas Rüschen, Global Head Asset Finance & Leasing erläuterte. Langfristig sollen Sonne und Wind aus dem Süden bis 2050 nicht nur den Eigenbedarf der MENA-Region, sondern auch 15% des europäischen Strombedarfs decken. Diese Zielsetzung werde in kleinere Projekte aufgeteilt, um die Umsetzbarkeit und Finanzierbarkeit in mehreren Phasen sicherzustellen, so Rüschen. Welche Herausforderungen das Projektmanagement dabei vor sich hat, lässt der Gesamtinvestitionsumfang erahnen: Rund 400 Mrd Euro, und damit rund das Vierfache des Budgets der ersten Mondlandung, könnte die Realisierung dieses Projekts erfordern.

Tobias Just, Head of Sector Research bei Deutsche Bank Research, betonte, dass private Initiativen wie Desertec wichtig seien, weil der Weg zu einer international abgestimmten Klimapolitik offensichtlich noch lang und steinig ist. Diesen Eindruck jedenfalls gewannen viele Beobachter der Klimakonferenz von Kopenhagen. Just fasste die Ergebnisse der Klimakonferenz zusammen und ermöglichte den Zuhörern so eine Einordnung der Desertec-Initiative in einen gesamtpolitischen Kontext.

Für die Deutsche Bank ist das Engagement bei dieser Initiative ein maßgebliches Element innerhalb ihrer globalen Klimastrategie, wie Rüschen verdeutlichte. Die Bank gehört zu den Gründungsmitgliedern der DII. Jüngst hat sich der Gesellschafterkreis um vier Energieunternehmen aus Frankreich, Italien, Spanien und Marokko erweitert. Darüber hinaus unterstützen derzeit 13 assoziierte, nicht-stimmberechtigte Partner die Initiative, u.a. Bilfinger & Berger, First Solar und Käfer Solartechnik. Der Kreis erweitert sich Schritt für Schritt: Weitere rund 100 Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen haben bereits ihr Interesse an einer assoziierten Mitgliedschaft bekundet. Die assoziierten Partner werden aus erster Hand über den Projektfortgang informiert, z.B. über aktuelle Studien oder durch die mögliche Mitwirkung in Arbeitsgruppen oder an politischen Gesprächen. Durch die Teilnahme an entsprechenden Plattformen können sich auch neue Geschäftskontakte zwischen den beteiligten Unternehmen ergeben, sagte Rüschen gegenüber interessierten Nachfragen aus dem Publikum. 

Zurzeit arbeitet die DII an detaillierten Machbarkeitsstudien. Ein weiterer Fokus liegt auf der Entwicklung eines Umsetzungsplans. „Darüber hinaus möchte man so zügig wie möglich die ersten Referenzprojekte identifizieren und mit deren Umsetzung beginnen“, erklärte Rüschen. Dies könnten in wenigen Jahren Pilotprojekte in Marokko und Tunesien sein. Ob aus der ambitionierten Vision in den kommenden Jahrzehnten tatsächlich Realität wird, hänge letztlich vom politischen Willen aller Beteiligten ab. Deshalb ist die Schaffung geeigneter regulatorischer und politischer Rahmenbedingungen ein weiteres vornehmliches Ziel des Konsortiums. Hier verzeichnet die DII wichtige Erfolge: Die Bundesregierung hat der privaten Initiative jüngst ihre Unterstützung zugesagt. Auf internationaler Ebene arbeitet die EU an einer Direktive, die Stromimporte aus erneuerbaren Energien noch attraktiver machen könnte, indem diese auf die nationalen CO2-Vermeidungsziele anrechenbar wären. Positive Signale gibt es auch von der Weltbank, die einen Gesamtbetrag von 750 Mio. US-Dollar für Solarprojekte in Nordafrika bereitgestellt hat.

Bereits bei einer ähnlichen Veranstaltung, die im März in Frankfurt stattfand, hatten sich zahlreiche Unternehmen über das Projekt informiert. Jens-Michael Otte, Head Public Sector Germany, beobachtet ein stetig steigendes Interesse in der Öffentlichkeit und bei den anwesenden Unternehmen. „Die Deutsche Bank wird ihre Kunden auch weiterhin über den Fortschritt des Projektes sowie geeignete Mitwirkungsmöglichkeiten informiert halten", bekräftigt Otte.


Weitere Informationen

Desertec - Von der Vision zur Realität
[PDF / 369 KB]

Internationale und nationale Klimapolitik - Kritische Analyse und wirtschaftliche Implikationen
[PDF / 435 KB]



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Letzte Änderung: 22.7.2010
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